Nach mehr als 60 Jahren hat der Süddeutsche Verlag sein Stammhaus im Münchener Zentrum aufgegeben und neben der Druckerei am Stadtrand neu gebaut. Seit November 2008 hat das Unternehmen seinen Sitz in einem 28 Etagen umfassenden Hochhaus mit angegliedertem Flachbau. Das Duo bietet nicht nur moderne Arbeitsbedingungen für rund 1850 Mitarbeiter, es erlaubt auch einen absolut energieeffizienten Gebäudebetrieb und bietet dem Hausherrn enorme Flexibilität hinsichtlich des Raumkonzeptes. An allen drei Qualitäten hat das Beleuchtungskonzept von Siteco einen maßgeblichen Anteil.
Herausforderungen als Chance genutzt
Es gibt Gebäude, die werden geplant und gebaut, und es gibt Umzüge, die freudige Erwartung auslösen – beim Neubau des Süddeutschen Verlages war weder das eine noch das andere der Fall. „Mir ist zum Weinen zumute“, soll Oberbürgermeister Christian Ude bei der Abschiedsfeier im alten Stammhaus in der Sendlinger Straße gesagt haben. Und mit diesem Gefühl war er nicht allein, denn viele der Zeitungsmacher sind nur ungern aus der Altstadt in das Hochhaus nach München-Steinhausen gezogen. „Aber im Grunde... doch: Das ist mein bestes Haus“, blickt hingegen Architekt Oliver Kühn auf seine Arbeit zurück. Vor diesem positiven Resümee allerdings galt es, eine Reihe von Hindernissen zu überwinden. So fiel der ursprüngliche Entwurf des Verlagsgebäudes mit 145 Metern Höhe einem Bürgerbegehren zum Opfer. In München wünscht man nur maximal 100 Meter hohe Häuser, umfangreiche Neuplanungen für die Firmenzentrale des Verlages waren also unumgänglich.
Die Neuplanungen nach dem Kappung fordernden Bürgerbegehren haben quasi wie eine Optimierung auf das Projekt gewirkt. Durch die neuen Dimensionen wurde zum Beispiel das Atrium aufgewertet, eine effizientere Lüftungslösung gefunden und selbst die markante Glasfassade ist in der jetzigen Form Ergebnis der wiederholten Bearbeitung. Ähnlich förderlich wirkten auch die Vorbehalte der Gebäudenutzer. Wer aus einer privilegierten Innenstadtlage wegzieht, ist gegenüber einem neuen Standort auf der grünen Wiese extrem kritisch. GKK+Architekten haben nicht versucht, die Altstadtsituation nachzubauen, aber sie setzten auf kommunikative Strukturen, die die fehlende Urbanität kompensieren sollen: eine großzügige Kantine, ein Café, das Atrium und gestaltete Freiflächen sind einige Orte, die Gelegenheit für Begegnung und Austausch bieten und im besten Falle auch Identifikation mit dem Ort schaffen.
Ergonomie und Ökologie optimal ausbalanciert
Eine zentrale Forderung des Bauherrn war eine flexible Technik. Die Arbeitsprozesse in der Medienbranche wandeln sich schnell, der Verlag rechnet daher auch während des Betriebs mit reger Umzugstätigkeit. Im Idealfall sollte die Anpassungsfähigkeit der Raumgeometrien und der Gebäudetechnik soweit gehen, dass auch jederzeit vermietet werden kann. Ein weiteres, sich über alle Gewerke erstreckendes Motiv war die Energieeffizienz. Das Verlagsgebäude wurde durch das U.S. Green Building Council mit dem Zertifikat „Leadership in Energy and Environmental Design“ in Gold bewertet. Dieses Label evaluiert interdisziplinär und mit großer Detailtiefe Ressourcen schonenden Bau und Betrieb, Nachhaltigkeit und Innovationsgehalt von Gebäuden.
Dass bei allen Überlegungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit des Gebäudes auch die Arbeitsbedingungen für die Nutzer stimmen sollten, versteht sich von selbst. Schwerpunkte im Portfolio des Süddeutschen Verlages sind nach wie vor Zeitungen, Fachzeitschriften und Bücher. Aber das Angebot des Medienhauses umfasst auch Pressedatenbanken, Content- und Archivmanagement, PR- und Agenturdienstleistungen sowie viele Verwaltungstätigkeiten. Mit anderen Worten – im gesamten Haus findet Bildschirmarbeit statt, in vielen Bereichen sind Mitarbeiter auf kommunikative Raumstrukturen angewiesen; das Ambiente soll nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Kreativität fördern. Das Pflichtenheft für Lichtplaner Dominik Ortmann und die Elektroplaner vom Münchener Ingenieurbüro CBP Cronauer Beratung und Planung war also hinreichend gefüllt.
Blendungsfreie Lichtlenkung mit hohem Wirkungsgrad
Um den komplexen Forderungskatalog seitens der Lichtplanung zufriedenstellend zu beantworten, kommt eine sowohl effiziente als auch relativ junge Technologie zum Einsatz: In allen unmittelbar hinter der Fassade liegenden Räumen, ob Großraum- oder Zellenbüro, ob Besprechungs- oder Verkehrszone, schweben Mikroprismenstrukturen: 6000 ELDACON® Sonderleuchten sind rahmenlos in die unter den Raumdecken abgehängten Akustikpaneele integriert.
Basis für die von Siteco entwickelte ELDACON® Lichtlenkungstechnologie sind mehrlagige, hochpräzise Mikroprismenstrukturen aus Kunststoff, die als Leuchtenabdeckung verwendet werden. Das Zusammenspiel von Wirkflanken (Weiterleitung des Lichts) und Störflanken (Auskopplung des Lichts) der Mikrostrukturen ist genau aufeinander abgestimmt und sorgt für exakt determinierte Lichtverteilungen mit hoher Gleichmäßigkeit, ohne Direkt- und ohne Reflexblendung. Einerseits lassen sich mit den präzisen Refraktorstrukturen die hohen Lichtströme und Oberflächenleuchtdichten moderner T5-Lampen besser beherrschen als mit herkömmlichen Spiegelrastern, andererseits spielt es dank Rundumentblendung und kompletter Abdeckung des Leuchtmittels keine Rolle, wie Arbeitsplatz und Leuchte zueinander angeordnet sind. Speziell bei dieser Anwendung bringt die ELDACON® Technologie noch einen weiteren Vorteil: Die Verwendung von Kunststoffflächen ist aus akustischer Sicht viel vorteilhafter, als es der Einbau von Aluminiumreflektoren gewesen wäre. Letztere hätten inmitten der Akustikpaneele einen ihre Wirkung mindernden schallharten Sektor geschaffen.
Bei den Sonderleuchten im Süddeutschen Verlag befinden sich hinter den ELDACON® Lichtlenkmodulen je zwei T5-Lampen (28Watt oder 35Watt), die mit elektronischen DALI Vorschaltgeräten betrieben werden. In Summe ergibt dies eine Leuchte mit einem besonders hohen Wirkungsgrad.
Der flächenbündige Einbau der Leuchten in die Akustiksegel schafft ein ruhiges Deckenbild und einen sehr lichten Raumeindruck. Dieser wird durch einen kleinen (8%) Indirektlichtanteil noch verstärkt. Er hellt die Decken auf, was den Raumeindruck freundlich und die Außenansicht des Gebäudes bei Dunkelheit lebendig macht.
Effizienz und Blendfreiheit der ELDACON® Lichtlenkungstechnologie nutzen auch die Quadrature Einbauleuchten, die als Alternative zu den Sonderleuchten dort installiert wurden, wo keine Akustikpaneele abgehängt werden konnten. Kleine Meetingräume in der Gebäudetiefe werden zum Beispiel durch deckenintegrierte Quadrature Langfeldleuchten erhellt. Bei ihnen erfolgt die primäre Lichtlenkung mit einem hochglänzenden Spiegel-Reflektor und erst danach tritt das Licht blendfrei durch eine Prismenscheibe nach unten aus. Auch hier sind bildschirmtaugliche Beleuchtung, weiche Helligkeitsübergänge, ausgewogene Schattigkeit sowie gute vertikale und zylindrische Beleuchtungsstärken das Ergebnis.
Lichtdurchflutete Räume
Der zentrale Zugang zum Verlagsgebäude erfolgt über das großzügige Atrium. Dieses mehr als 20 Meter hohe Foyer verbindet den Flachbau und das Hochhaus. Es wird an drei Seiten von transparenten Bürowänden und an der vierten von einer Glasfassade begrenzt. An der Rückseite liegen terrassenförmig übereinander den Büros vorgelagerte Plateaus, von denen aus sich die einzelnen Geschosse erschließen. Im ersten Stock fungiert eine umlaufende Galerie als kommunikativer Ort, wichtiger Verkehrsweg und Schnittstelle zum Hochhaus. Hinter ihr liegen zentrale Räume für Ausstellungen, Konferenzen und Fortbildung.
Das Lichtangebot im Atrium ist üppig. Dafür sorgt das durch Glasfassade und -dach einfallende Tageslicht, aber auch das Kunstlicht aus den angrenzenden Büros. Zusätzliche direkte Beleuchtung kommt aus Downlights und Langfeldleuchten, die sich in den Dachunterzügen befinden.
Galerie und Plateaus werden von einer speziellen Siteco Leuchte illuminiert: Wie eine Strich-Punkt-Linie wurde dazu eine Sequenz aus diffus abgedecktem Lichtkanal und Niedervolt-Halogenspots in die diese Bereiche überspannenden Streckmetalldecken eingebaut. Wo dies nicht möglich war, erzeugen Aufbaudownlights Lunis C mit tiefstrahlender Lichtcharakteristik die nötigen Beleuchtungsstärken.
Zentrale Intelligenz für dezentrale Raumparameter
Auf das Zusammenspiel der energieeffizienten lichttechnischen Komponenten, wie Prismenraster, moderne T5-Lampen und Vorschaltgeräte mit Cut-Off-Technik, setzt eine intelligente Lichtsteuerung auf. Sie regelt tageslicht- und präsenzabhängig das komplexe Zusammenspiel der Beleuchtung und des innenliegenden Sonnenschutzes. Die DALI Vorschaltgeräte ermöglichen die bedarfsabhängige Bildung von Leuchtengruppen und deren Schaltung und Ansteuerung. Über ein Gateway ist die DALI Steuerung an die zentrale Gebäudeleittechnik angeschlossen, die über LON erfolgt. An Bedieninterfaces in den einzelnen Räumen kann der Nutzer die Vorgaben der Technik nach seinen Präferenzen beeinflussen. |